Weimar 1919 - Chancen einer Republik
7. Februar - 4. Oktober 2009

Sonderausstellung im Stadtmuseum Weimar

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Abgang der alten Welt


In der Eingangshalle des Museums werden die Themen „Kriegsende“, „Revolution“ und „Fürstenabdankung“ präsentiert. Wichtig für die Kulturstadt Weimar war damals, dass mit dem letzten regierenden Großherzog nicht nur der politische Repräsentant des alten Regimes abtrat, sondern auch der wichtigste Mäzen der lokalen Kulturstätten seinen Hut nahm.

Abdankungsurkunde

Abdankungsurkunde des Großherzogs Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach 9.11.1918, Weimar
Thüringisches Hauptstaatsarchiv

Nicht nur die Politik, auch die Erbepolitik Weimars änderte sich dadurch dramatisch. Mit dem Ende des Hofes verlor die Stadt außerdem ihren Charakter als Residenzstadt – und Hunderte Hofbeamte, Angestellte und Offiziere unmittelbar ihre Existenz. Für die politische Stimmung, in der die ersten Schritte in Richtung Demokratie gewagt wurden, waren diese Prozesse von erheblicher Bedeutung.

Eine neue Verfassung für "neue Menschen"


Hier stehen die Wahlen zur Nationalversammlung, deren parteipolitische Zusammensetzung, die wichtigsten Probleme bei der Konstituierung des Parlaments sowie einzelne Facetten der Verfassungsdebatte im Zentrum.

Abgeordnete in der Weimarer Nationalversammlung

Abgeordnete der Nationalversammlung am Deutschen Nationaltheater 1919

Foto: Louis Held, Stadtmuseum Weimar

Emil Orlik, Friedrich Ebert, 1923, Öl auf Leinwand, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

Emil Orlik, Friedrich Ebert, 1923, Öl auf Leinwand
Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

Weiterhin wird das Arbeiten und Leben der Nationalversammlung in Weimar deutlich sowie die wichtigsten Debattenthemen der Sitzungsperiode, die letztlich zur Verabschiedung der ersten republikanischen Verfassungsordnung in Deutschland geführt haben.


 

"Weimar" in Weimar - vom Alltag einer Wendezeit


In diesem Teil der Ausstellung wird der Alltag in der Stadt Weimar zur Zeit der hier tagenden Nationalversammlung gezeigt. Während sich in den Debatten der Nationalversammlung das politische Schicksal Deutschlands entschied zugunsten des republikanischen Elementes, war der Alltag in Städten wie Weimar (und in Weimar selbst) mit ganz anderen Problemen belastet.

Nationalversammlung 1919

Absperrung des Theaterplatzes während der Tagungen der Nationalversammlung 1919
Foto: Louis Held, Stadtmuseum Weimar

Zugleich aber fand die politische Veränderung auf Reichsebene eine Parallele in den regionalen Veränderungen der politischen Wirklichkeit vor Ort, die auf die spätere Gründung des Landes Thüringen verweisen. Ein eigener Themenschwerpunkt „Die Stunde der Frauen“ soll der Tatsache gerecht werden, dass Frauen ab 1918 nicht allein das passive und aktive Wahlrecht bekamen (und in Anspruch nahmen), sondern dass sich das Alltagsleben und damit auch das Selbstbild und die Lebensentwürfe von Frauen in Krieg, Revolution und früher Republik dramatisch verändert haben.

Frauen 1919

Die weiblichen Abgeordneten des Zentrums, Fotopostkarte 1919
Sammlung Karl Stehle, München

"Weimarisches Café"


Unter dem Titel „Weimarisches Café“ (eine Anspielung auf das legendäre „Romanische Café“ in Berlin) werden die nach 1918 aktuellen Kunstströmungen, Kunstdebatten sowie die Expansion der Massenkultur- und der Unterhaltungsindustrie angesprochen. Die symbolpolitischen Kämpfe um die Deutungshoheit des kulturellen Erbes mussten gerade in Weimar besonders hohe Wogen schlagen, lag hier doch für viele konservativ oder gar reaktionär gestimmte Deutsche die ideelle Habe der Gesamtnation, das „klassische“ Erbe. In diesen Kosmos drangen nun neue Kunstströmungen ein – und dies wurde oftmals eher als Irritation denn als bereichernde Innovation erfahren. Das inszenierte Kaffeehaus, in dem ein Ambiente aus benutzbaren alten Tischen, Stühlen und Sofas entsteht, wird von den Besuchern der Ausstellung nicht nur betreten, diese sollen es auch zur Entspannung und zur weiteren Information nutzen.

Weimarisches Café

Paul Tübbecke, Carlsplatz Weimar 1918, Öl auf Leinwand
Stadtmuseum Weimar

Das inszenierte Kaffeehaus, in dem ein Ambiente aus benutzbaren alten Tischen, Stühlen und Sofas entsteht, wird von den Besuchern der Ausstellung nicht nur betreten werden, diese sollen es auch zur Entspannung und zur weiteren Information nutzen.


Nachbeben - Landesgründung, Kapp-Putsch und "Ordnungsbund"-Regierung


Auch wenn die gesamte Exposition nicht in regionalen Gegebenheiten und Befindlichkeiten stecken zu bleiben versucht, werden drei  Thüringen spezifische Themen angesprochen: der Kapp-Putsch in Weimar, die Gründung des neuen Reichslandes Thüringen sowie die thüringische „Ordnungsbund“-Regierung ab 1924.

Gesetzblatt zur Landesgründung (Thüringen)

„Gemeinschaftsvertrag über den Zusammenschluss der thüringischen Staaten“ vom 9. Januar 1920 Buchdruck, Gesetzsammlung für Thüringen, Jahrgang 1920, Nr. 1 Weimar, Thüringisches Hauptstaatsarchiv

Diese Ereignisse sind keine Akzidenzien des eigentlichen Ausstellungsthemas, sondern bezeichnen Entwicklungsmöglichkeiten und -wege der deutschen politischen Kultur: eine versuchte Gegenrevolution bzw. die Festigung des demokratischen Neuanfangs in juristischen, administrativen und territorialen Neuordnungskonzepten. Der Wandel der politischen Kultur Weimars offenbart sich im Umschlag der realpolitischen Verhältnisse ab Mitte der Zwanziger Jahre.

Märzgefallene Denkmal

Walter Gropius, Modell des Denkmals der Märzgefallenen (Entwurf 1921)
Klassik Stiftung Weimar, InvNr.: N3/84, Copyright VG Bild-Kunst 2009


 

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