28.5.2009 Prof. Ursula Büttner (Hamburg)
Die überforderte Republik. Zur Einschätzung der ersten deutschen Demokratie nach 90 Jahren.

90 Jahre nach der Entstehung der Weimarer Republik versucht Ursula Büttner erneut, Leistungen und Versagen der ersten Demokratie in Deutschland einzuschätzen. Dramatische Widersprüche kennzeichneten ihre Entwicklung auf allen Gebieten. Unter schwierigen Bedingungen nach dem verlorenen Krieg und einer verheerenden Inflation wurden in wenigen Jahren beachtliche Fortschritte erzielt. Aber diese Erfolge waren heftig umstritten. Der Staat sollte in einer krisengeschüttelten Periode die politischen, sozialen und kulturellen Konflikte versöhnen und für das Wohlergehen aller Bürger sorgen, die „gute alte Zeit“ vor dem Krieg wiederherstellen oder in eine bessere Zukunft führen. Er war damit in gefährlicher Weise überfordert. Zu Fall brachte ihn jedoch erst der Mißbrauch von Verfassungsbestimmungen zum restaurativen Umbau des Staates zu Beginn der dreißiger Jahre. Eine konservative Führung überforderte in der Weltwirtschaftskrise die Leidensfähigkeit des Volkes und leistete dem Aufstieg der NSDAP Vorschub, weil sie außen- und innenpolitische Folgen des Zusammenbruchs von 1918 rückgängig machen wollte.

Prof. Dr. Ursula Büttner, geb. 1946, Wissenschaftliche Angestellte an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und Professorin am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Zahlreiche Veröffentlichungen zur politischen Sozialgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, zuletzt: Weimar. Die überforderte Republik. Leistung und Versagen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, Stuttgart 2008, 864 S., 44 Tabellen und Graphiken.